Neuigkeiten aus Feuerland

04. Dezember 2015 argentinia Argentinien Tolhuin 31721 km Tag 1007

Manche werden sich in den letzten Monaten sicher gefragt haben, was ich hier die ganze Zeit treibe.
Sitzt er beim Spanisch-Lernen am Computer und nippt in Gedanken am Cay, dem türkischen Tee?
Träumt er beim Frühstück von indischen Dosas und Iddlys mit Kokussambal?
Ist er beim Blick zu den nahen, schneebedeckten Bergen in Gedanken im indischen Ladakh?
Hat er beim Spaziergang am Strand des Lago Fagnanos die tropischen Strände Asiens vor den gedanklichen Augen?
Hofft er beim Gang zum Supermarkt eine kleine thailändische Garküche zu finden?
Vermisst er seine Familie und Freunde?
Träumt er schon von den zukünftigen Südamerika-Abenteuern.
Ja, das alles natürlich auch. Aber die meiste Zeit habe ich in den letzten Monaten in der Backstube der Panadería La Union verbracht. Ja, richtig gelesen! Backstube!
Die Panadería La Union ist nicht irgendeine Bäckerei. Nein, es ist DIE Panadería in Tolhuin auf der Insel Feuerland.
Sie ist eine berühmte und bei Touristen sehr beliebte Bäckerei in der ruhigen, ca. 5000 Einwohner zählenden Kleinstadt, wo ich mich nun schon seit neun Monaten aufhalte.
Fast jeder, der schon einmal die Insel Feuerland, die in Argentinien Tierra del Fuego genannt wird, besucht hat, wird sicher diese Panadería kennen. Vor allem Südamerika-Radlern, die bis ans sogenannte 'Ende der Welt' fahren oder von dort aus ihre Reise in Richtung Norden starten, wird sie ein Begriff sein, denn neben den leckeren Backwaren, die fast jeder, meist hungrige, Radfahrer mag, bietet Emilio, der Chef der Bäckerei, die 25 Angestellte zählt, den Radlern eine kostenlose Unterkunft an, die es in Südamerika an einigen Orten gibt und 'Casa de Ciclista' genannt werden.
So kam es, dass ich hier Anfang Februar, nach 23 Monaten auf Reisen, die mich etwas reisemüde gemacht hatten, hängenblieb um Spanisch zu lernen. Und nicht nur das. Zusätzlich lerne ich hier auch noch das argentinische Bäckerhandwerk, was mir viel Spaß bereitet.
Doch anfangs war es nicht leicht für mich. Denn ich war nicht nur das tägliche Arbeiten nicht mehr gewöhnt, desweiteren konnte mich kaum mit den Leuten verständigen. Denn mein spanischer Wortschatz betrug nur wenige Wörter, als ich nach einem Monat in Argentinien, in dem ich mit dem Fahrrad entlang der Ruta 3 von Puerto Madryn bis Ushuaia fuhr, hier ankam.
Auch reden die Argentinier für mich meist viel zu schnell und oft auch undeutlich. Doch ich sagte mir dann immer, dass es ein Ausländer, der in Sachsen oder Bayern Deutsch lernen will, sicher auch nicht leicht hat.
Doch mittlerweile kann ich mich gut verständigen und verstehe die Menschen, solange sie deutlich und nicht zu schnell sprechen, gut.
Auch wenn es mir hier gefällt, werde ich hier aber keine Wurzeln schlagen. Im kommenden Februar werde ich meine Reise in Richtung Norden fortsetzen.
Das Fernweh hat mich schon seit einiger Zeit wieder fest im Griff. Bei jedem Radler, der die Casa de Ciclista wieder verlässt, schaue ich ein wenig neidisch hinterher. Doch ich mag auch die Arbeit in der Bäckerei. Und da mit dem Sommer die Hauptsaison vor der Tür steht, gibt es natürlich auch viel in der Backstube zu tun.
Als Radfahrer in einer Bäckerei zu arbeiten...Ein Traum!!!, dachte ich anfangs. Denn man kann ja auch immer etwas von den Backwaren essen. Daher hatte ich die ersten Wochen, in denen ich auch kaum mit dem Rad fuhr, schnell einige Kilos zugelegt. Doch nach zwei Monaten ließ der Appetit auf die Backwaren allmählich nach.
Wenn man den Geruch von frischen Backwaren täglich in der Nase hat, nimmt man ihn eines Tages gar nicht mehr richtig wahr und man hat auch keinen großen Appetit mehr darauf, wenn man sie täglich sieht und auch herstellt. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich gar nichts mehr von den süßen Leckereien esse.

Allen eine schöne Adventszeit!

04. December 2015 argentinia Argentina Tolhuin 31721 km Day 1007

Some of you maybe have wondered, what I'm doing here since many months.
I'm working in a bakery!
The Panadería La Union isn't just any bakery. It's the famous Panadería in Tolhuin with its 5000 inhabitants on Tierra del Fuego.
Since nine months I'm helping out in this bakery who is very popular by many tourists.
Almost everyone who was visiting Tierra del Fuego in Argentina surly know this bakery. Especially southamerica-cyclists, who are cycling to the 'End of the world' or start their trip to the north from there, will know that bakery. Emilio, the owner of the bakery with it's 25 workers, isn't just selling delicious pastry products, he also offers to the cyclists a free accommodation, called 'Casa de ciclista', which you can find at some places in southamerica.
That's I'm here after 23 months of traveling. I'm was tyred to travel and I wanted to learn spanish too. And also I'm learning the profession of a argentine baker.
But it wasn't easy for me at the beginning. I'm not just used to work almost ervery day I wasn't able to speak to the people. Because my spanish vocabulary was just a few words after one month of cycling along the 'Ruta 3' from Puerto Madryn to Ushuaia.
And the Argentines are speaking too fast and indistinctly for me. But meanwhile I can talk with the people quite good and understand them if they don't speak too fast.
Although I like this place, I won't take any roots here. I'll start my southamerica trip in the coming february.
I feel the wanderlust since time again. I look a bit jealous to every cyclist who is leaving the Casa de Ciclista. But I like the work in the bakery too. And there will be many work in the next months because te main season is coming up.
Working in a bakery as a cyclist...a Dream!!!, I thought in the beginning.  Because you can eat every day delicious pastrys and sweets. That's why I gained some weight in the first weeks.
But the appetite abeted after two months. If you have daily the typical bakery smell in your nose, you don't smell it anymore after weeks and you won't have much appetite anymore if you see it and prepare it every day. But it doesn't means I don't want eat anymore of that delicious pastries.

die Panaderia in Tolhuin in der ich seit Februar aushelfedas Café bietet vielen Gaesten Platz doch Montags ist es meist sehr ruhigAn Wochenenden ist die Panaderia von Morgens bis Abends gut-besucht An Feiertagen und in der Hauptsaison ist es noch vollerTaeglich machen hier auch die Langstreckenbusse und die regionalen Minibusse Halt was fuer viel Kundschaft sorgtSonntags ist immer Hochbetrieb Daher muss man vorher immer eine Nummer ziehen und warten bis sie ausgerufen wirdRene Favaloro war ein argentinischer Arzt der die erste erfolgreiche Bypass-Operation am Herzen durchgefuerht hatUeberall haengen an den Waenden Bilder von argentinischen Beruehmtheiten die die Panaderia besucht hattenEmpanadas sind Teigtaschen mit verschiedenen fleischhaltigen oder vegetarischen FuellungenAlfajores sind Doppelkekse mit einer Fuellung aus Dulce de Leche was eine karamellisierte Milchcreme istHier werden auch leckere Schokoladen und Pralinen aus Eigenproduktion angebotenDas Hineintragen der 50kg schweren Mehlsaecke gehoert natuerlich auch dazu ist aber ein harter KnochenjobWenn der Teig fuer die Broetchen fertig ist wird er gewalztEs muss sechs bis sieben Mal gewalzt werden bis die Teigplatte fest und glatt istFertigDanach werden von der Teigplatte Streifen abgeschnittenDiese Teigstreifen werden dann in die Maschine eingefuehrt die den Teig in Stuecke schneidet und diese zu Broetchen rolltDie Broetchenrohlinge werden danach von flinken Haenden auf das Blech gelegtDie Butter fuer die Facturas wird zu 1kg abgewogen und zu flachen Stuecken geformtAm naechsten Tag werden die gekuehlten Butterstuecke in den Teig eingewalztDas schnelle Aufschlagen der Eier und vor allem ohne Schalenstuecke in der Maschine war anfangs nicht leichtFacturas bestehen aus einem sueßen Hefeteig mit Eiern und ButterDie zugeschnittenen Factura Stuecke werden in verschiedenen Formen auf die Bleche gelegtIch bin gerade dabei die Sacramentos zu rollen Sie bestehen aus dem Teig der Facturas und einem Stueck KonfituereDie Medialunas werden maschinell gerollt Sie aehneln den CroissantsIn der Vorweihnachtszeit wird Pan Dulce hergestellt Es aehnelt dem Weihnachtsstollen ist aber fuer meinen Geschmack zu trockenDas Pan Dulce wird abgewogen und in die Form gelegtDer Spaß kommt in der Panaderia nicht zu kurzDas gebackene Pan Dulce wird dekoriertDas Pan Dulce ist fertigLemon-Pie entstehtDie Zitronencreme wird mit einer Baiserhaube dekoriertZum Schluß wird das Baiser flambiertDie Tartitas bestehen aus einem Eierteigboden und Dulce de LecheDie Tartitas werden mit Schokolade ueberzogenPan de Queso wird hergestellt Das ist ein KaesegebaeckDie Tapas fuer die Empanadas werden ausgestochenAlfajores mit dunklem und hellem SchokoladenueberzogFactura-hojaldre ist ein Blaetterteiggebaeck mit einer Vanillecremeeine Torte fuer einen Geburtstageine Bestellung fuer eine FeierManche Radler bleiben einige Tage und helfen mit Sie finden dies eine super Sache In Deutschland sicher nicht moeglichChurros sind ein Spritzgebaeck das in Oel frittiert wirdNach dem Frittieren werden die Churros mit Dulce de Leche gefuelltDie Facturas werden 12 min bei 230 Grad gebackenNach dem Backen werden die Facturas mit Fruechten und Schokolade dekoriertDas Dekorieren der Facturas macht mir SpaßIn diesen Oefen werden hauptsaechlich die Broetchen gebackenBleche reinigen gehoert zwar nicht zu den schoensten Arbeiten muss aber auch gemacht werdenBereits einige Male habe ich einen deutschen Apfelstreuselkuchen gebacken Die Leute der Panaderia sind begeistertJessica u Danny aus GB waren nach der Winterruhe Ende August wahrscheinlich die ersten Radler die in Ushuaia gestartet sindAnfang April waren viele Radler zu Gast Hier haben wir gemeinsam Pizza zubereitet

 

 

 

 

 

Wintertour auf Feuerland - Teil 2

01.-04. August 2015 argentinia Argentinien Teil 2 Ushuaia - Tolhuin 113 km

In Ushuaia kam ich für zwei Tage in der kleinen Wohnung eines jungen Mannes, der hier als Touristenguide arbeitet, unter.
Nach vier Tagen in der Kälte war es eine Wohltat wieder eine warme Unterkunft zu haben und heiß duschen zu können. Man schätzt nach solchen Tagen diese einfachen Dinge viel mehr.
Mein Urteil über Ushuaia fällt auch im Winter leider nicht besser aus. Diese Stadt hat in meinen Augen keinen schönen Stil. Aber man muss es nehmen, wie es ist. Genauso wie das Wetter, dass sich leider verschlechterte.
Es war ein grauer und regnerischer Montag mit nur leichten Plusgraden, als ich mich wieder auf mein treues Gefährt schwang, um nach Tolhuin zurückzufahren. Kein Wetter wo das Radfahren wirklich Spaß macht. Doch bereits 10 km später am Polizeiposten hatte ich meinen Spaß.
Normalerweise interessieren sich die Beamten an den Kontrollposten nicht für die Reiseradler, so meine Erfahrung in Argentinien. Doch ich hatte das Glück, dass mich ein junger Polizist kontrollieren wollte. Ich schreibe bewußt 'Glück'. Denn das, was ich da erlebte, passiert Einem nur sehr selten.
Der junge Polizist, dachte sicher, dass mit dem Radler was nicht stimmen muss. Denn wer fährt schon im Winter mit dem Fahrrad umher. Er schaute in meinen Paß und fragte mich nach meinem Herkunftsland. Verständlich. Denn er beherrscht ja die deutsche Sprache nicht und es steht auch nichts von Deutschland oder BRD im Paß. Denn bei Staatsangehörigkeit steht nur 'DEUTSCH'. Doch einen Staat 'DEUTSCH' gibt es gar nicht. Es wäre schön, wenn nicht nur der korrekte Staatsname abgedruckt wäre, sondern auch zusätzlich 'GERMANY'.
Doch was dann kam, übertraf alles bisher mit Beamten erlebte. Er blätterte ein wenig im Paß und blieb bei meinem Kasachstan-Visum hängen. Das schien ihm zu gefallen, denn er schaute es einige Sekunden länger an. Dann geschah das Unglaubliche. Mit seriöser Miene gab er die Nummer dieses Visums per Funk an seinen Kollegen im Büro sitzend, durch. Ich war ein wenig sprachlos und fragte mich schon, wo die versteckte Kamera ist.
Es kam dann ein älterer Kollege hinzu. Er fragte, was es für ein Problem gäbe und ließ sich von ihm meinen Paß geben und händigte ihn mir gleich darauf mit einem freundlichen Gracias wieder aus.
Dass er nicht wusste, dass ich als EU-Bürger kein Visum benötige, kann ja mal passieren. Aber ihm fielen weder die kyrillischen Buchstaben, noch das zwei Jahre alte Datum dieses Visums auf.
So, wo war ich stehengeblieben? Ach ja....
Der leichte Schneeregen hatte zwischenzeitlich aufgehört. Auch die Dreharbeiten mit Leonardo DiCaprio, etwas weiter oberhalb des Tales, waren beendet und die Crew war dabei die ganze Technik abzubauen.
Zwei Jungs, auf dem Skilift am Skigebiet Cerro Gastor sitzend, riefen mir zu, woher ich komme. Ich sagte: 'Aus Deutschland!'. 'Mit dem Fahrrad?', fragten sie erstaunt zurück. Ich dachte mir, ich fange mal ganz vorn vorne an. Mit dem Satz: Es war der 3. März 2013, als 7 Uhr mein Wecker zum vorerst letzten Mal im elterlichen Haus klingelte......, wollte ich meine Geschichte beginnen. Ich merkte dann aber, dass der Lift mit den drei Jungs über meinen Kopf hinweg weiterfuhr. Also fasste ich mich kurz und sagte einfach nur: 'Ja!'.
Nicht nur diese Jungs waren erstaunt, einen Reiseradler im Winter zusehen. Fast alle Leute, die mit ihren Fahrzeugen vorbeifuhren, waren ein wenig verblüfft und winkten mir zu oder würdigten mit ihren erhobenen Daumen meine Leistung.
Erstaunt war sicher auch der Argentinier, der am Lago Escondido mit seinem Auto bei mir stoppte, und nach einem Foto fragte. Danach stellte er sich mir als Redakteur einer Regionalzeitung vor und wollte mich interviewen. Und das natürlich, was sonst, in spanisch. Ach du meine Güte, dachte ich mir im ersten Moment, sagten aber trotzdem zu. Er stellte zum Glück größtenteils Fragen in für mich einfachen Spanisch.
Am letzten Tag meiner kleinen Tour war nach nächtlichem Schneefall die ganze Landschaft dick eingepudert. So machte es gleich viel mehr Spaß. Doch weiter unterhalb am Lago Fagnano hatte es kaum geschneit. Bereits einhundert Meter Höhenunterschied machen sich hier auf Feuerland temperaturmäßig deutlich bemerkbar.
An einem trüben Nachmittag strampelte ich die letzten Kilometer bis Tolhuin ab und war froh, am nächsten Tag wieder in der warmen Backstube stehen zu können und.... aber das ist eine andere Geschichte für das nächste Mal.

Wintertrip on Tierra del Fugeo
Part 2, Ushuaia - Tolhuin, 113 km
01.-04. August 2015

I spent two days in Ushuaia in the small flat of a young man, who is working there as a guide.
It was wonderful to have a warm shelter and a hot shower, after four days in the cold. You will more appreciate such simple things after such rough days.
My opinion about Ushuaia isn't better in winter time. At my mind this town doesn't has a good style.
It was a grey and rainy monday when I grabbed my bicycle again to ride back to Tolhuin. Cycling isn't fun in that weather. But I had fun ten kilometers later at the police checkpoint.
Normally the police officers aren't interested in the cyclists to my experiance in Argentina. But I was lucky to be checked by a young police officer. I write 'lucky' deliberately, because what was happening there, you won't experiance very often.
The young police officer surely was thinking, there must be something wrong with that cyclist. Who is cycling in winter time? He looked in my passport and asked for my home country. Understandable! Because he can't read german. There is written only 'DEUTSCH' (that means 'GERMAN' in german language).
But what happend than, exceeded anything with officers so far. He went through my passport and looked at the Kazakhstan-visa for a few seconds. It seems to be he liked it. Then the unbelievable was happend. He seriously-faced told his colleague by radio the number of that Kazakhstan-visa. I was speechless and asking myself where is the hidden camera.
An older officer came and asked what the problem is. He took my passport and gave it back to me with thanks.
Maybe he don't knew I don't need a visa for Argentina. But he neither saw the Cyrillic letters nor the two years old date.
Meantime the slightly sleet had stopped. The film shooting with Leonardo DiCaprio was finished too and the crew was removing their equipment.
Two boys sitting on the ski lift at Cerro Gastor asked me where I'm from. I said: 'From Germany!'. By bicycle?, they asked suprised. I'll tell it to them from the beginning, I was thinking. With the sentence: It was the 3. March 2013 at my parents house, when my alarm clock was ringing for the last time.... I wanted to start to tell my story. But I noticed the ski lift with the boys didn't stop. So I kept it short and just said: Yes!
Not just that boys were surprised to see a cyclist in winter. Almost everyone who was passing me by its car was amazed and weaving and greeting with thumbs-up.
The argentine who stopped his car and asked for a picture at Lago Escondido surely was amazed too. He introduced himself to me as an editor of a local newspaper and asked for an interview. Of course in spanish. 'Oh my goodness', I thought at first, but said yes quickly. Luckily he mainly asked in simple questions.
The whole landscape was covered with fresh snow after nightly snowfall at the last day of my short roundtrip. It was much more fun. But a little more down the road close to the Fagnano Lake was nearly any fresh snow. One hundred meters altitude difference it makes a lot on Tierra del Fuego.
It was a cloudy afternoon when I was cycling the last leg to Tolhuin, my temporarily home during my worldtrip.

Iglesia Nuestra Senora de la MercedDie Straßen Ushuaias sind teilweise extrem steilRestaurant und Bäckerei auf der Avenida San Martin der Einkaufsmeile Ushuaiasder Hafendie Berge im Hintergrund gehören zur chilenischen Insel Navarinodie Avenida San Martinmanche Nebenstraßen sind teilweise vereistSchaufensterdekoration mit echten tibetischen Gebetsfahnen Da wurden schöne Erinnerungen wachWahrscheinlich trauen sich die Muellmänner nicht auf das Eis der GehwegeAm Hafen werden geführte Touren angebotenDie Saint Christopher ein über 70 Jahre altes Schiff liegt im Hafen auf GrundEin Casino darf hier in keiner Stadt fehlenGraues Montagsregenwetter bei der Rückfahrt nach TolhuinIm etwas höhergelegenen Valle Mayor hat es geschneitSkigebiet Cerro GastorDer Anstieg zum Passo Garibaldi beginnteine Art der hier hauptsächlich vertretenen Lengabuchen behält auch im Winter ihre BlätterKurz vor der Passhöhe versorgte ich mich mit bestem Quellwasserauf dem 450m hohen Passo Garibaldider Lago Escondido und im Hintergrund der Lago FagnanoIn der letzten Zeltnacht gabs reichlich NeuschneeAm Morgen kamen einige Touristenjeeps vorbei und ich war mit meinem Zelt die Attraktionauf dem teilweise zugefrorenen Lago EscondidoIch bekam von den vorbeifahrenden Fahrzeugen nicht nur Sprühnebel abWinterwunderlanddie Berge sind in den Wolken verschwundenAm Lago Fagnano liegt nur noch wenig Schnee 100m Höhenunterschied machen auf Feuerland viel ausFünf Füchse schlichen um mir und mein Essen herum aber hielten stets Distanzder Cerro Jeujepen nahe TolhuinBlick auf Tolhuin das etwas oberhalb des Sees liegtJuhu Geschafft Nach acht Tagen bin ich wieder in Tolhuin

Wintertour auf Feuerland - Teil 1

28.-31. Juli 2015 argentinia Argentinien Teil 1 Tolhuin-Ushuaia, 174 km

Nach sechs Monaten im ca. 5000 Einwohner zählenden Dorf Tolhuin am Lago Fagnano, hatte ich das Gefühl, dass mir hier bald nicht nur die Decke, sondern der ganze Himmel auf den Kopf fällt. Ich musste mal für einige Tage raus. Außerdem wollte ich ja auch mal das winterliche, südliche Feuerland vom Fahrradsattel aus erleben.
Was war das doch für ein wunderschönes Gefühl, nach einem halben Jahr Pause, wieder meinen 'Panzer' unter mir zu haben und den Fahrtwind im Gesicht zu spüren. Und dazu dieses Superwetter. Kaum eine Wolke trübte den Himmel. 'Wenn Engel reisen...', dachte ich mir wiedermal, denn am Vortag war es noch grau und regnerisch.
Es rollte super auf der Ruta 3, einer der wichtigsten Straßen Argentiniens. Sie führt über 3079 km von Buenos Aires bis nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt.
Aufgrund der dünnen Besiedlung ist die Ruta auf Feuerland nur wenig befahren. Meist sind es LKW, die Lebensmittel und andere Güter transportieren. Denn da in den südlichen, argentinischen Provinzen aufgrund der klimatischen Bedingungen keine Landwirtschaft betrieben werden kann, und es auch nur wenig Industrie gibt, muss fast alles für den täglichen Bedarf über 3000 km weit, aus dem Norden angeliefert werden. Dementsprechend sind die Preise hier deutlich höher als im Norden.
Ich merkte bei dem leichten Auf und Ab entlang des Lago Fagnanos, dass ich ganz schön aus der Form bin. Bereits nach 30 km war ich eigentlich reif, den Tag zu beenden. Aber bis zum Lago Escondido, meinem ersten Tagesziel, musste ich 50 km strampeln.
Während die Sonne auf der Südseite des Lago Fagnanos den meisten Schnee geschmolzen hatte, lag am Lago Escondido, der sich wunderschön in ein Seitental schmiegt, noch recht viel Schnee.
Bei solchen Temperaturen bin ich immer froh, wenn die Strecke flach oder leicht auf und ab führt. Denn dann bleibt man durch die Bewegung immer schön warm. Denn auf der 9 km langen Abfahrt nach dem 450 m hohen Garibaldi-Paß, war ich ganz schön ausgekühlt.
Ich fuhr an Cerro Gastor, dem südlichsten Skigebiet der Welt vorbei, probierte kurz die Loipe im weiten Valle Mayor aus und nahm die letzten, abwärtsführenden Kilometer bis zum Ortseingang von Ushuaia in Angriff.
An einem engen Abschnitt des Tales wurden gerade Dreharbeiten zu einem Film mit Leonardo DiCaprio durchgeführt. Was machen die doch für ein Theater wegen ein paar Hollywood-Schauspielern. Da befindet sich zwei km !!! weiter talwärts ein offener Campingplatz, wo man normalerweise zelten kann. Doch eine Gruppe von mehr als zehn, ernst dreinschauenden Polizisten erlaubte mir nicht, dort eine Nacht zu campieren.
In Ushuaia, einer der teuersten Städte Argentiniens, hielt ich mich erstmal nicht lange auf, sondern nahm direkten Kurs auf den nahen Nationalpark.
Von der völlig vereisten, aber glücklicherweise durch Schneeketten aufgerauhten Piste im Nationalpark, ließ ich mich nicht am Weiterfahren hindern. Das sonnige Wetter und die Landschaft waren einfach zu schön.
Nach einer klaren, frostigen Nacht mit bis zu -8°C, war die ganze Landschaft in Flussnähe mit Rauhreif überzogen. Die reinste Winterwunderlandschaft!
Da die Sonne erst recht spät, nach 10 Uhr, hinter den Bergen hervorkommt, und es mich bei frostigen Temperaturen immer viel Überwindung kostet aus dem warmen Schlafsack zu kommen, startete ich nie vor 11 Uhr. Ja, wenn das Frühstück schon fertig wäre und der Duft von frischem Kaffee meine Nase erreichen würde, dann wäre ich sicher schneller draußen. Aber ist ja egal. Schließlich bin ich hier auf einer Reise und nicht auf der Flucht.
Ich genoß den ganzen restlichen, sonnigen Tag im Nationalpark, der zu dieser Jahreszeit nur von wenigen Touristen besucht wird und fuhr erst gegen Sonnenuntergang nach Ushuaia zurück, wo ich das Wochenende verbrachte.

Wintertrip on Tierra del Fuego
Part 1, Tolhuin-Ushuaia, 174 km
28.-31. July 2015

After six months in Tolhuin, an about 5000 inhabitants village at Fagnano-lake, I had the feeling not just the ceiling but the whole sky will fall on me soon. I had to go out for a while. Furthermore I wanted to experiance the south of Tierra del Fuego by bicycle in winter.
It was such a wonderful feeling to sit on my 'heavy tank' again and to feel the wind in my face, after a half-year-break. And matching a very beautiful weather. There was barely a cloud in the sky. I was very lucky, because it was cloudy and rainy the day before.
It was going well on the Ruta 3, one of the most important roads of Argentina. It goes about 3079 km from Buenos Aires to Ushuaia, the southernmost town of the world.
Due to the low population on Tierra del Fuego there is less traffic on the ruta. There are mostly trucks, which are carrying food and other goods. Due to no agriculture because of the climate conditions and less industry, almost anything for the daily requirement has to be delivered from the north over more than 3000 km. Accordingly the prices are significantly higher.
I noticed I'm out of shape, while I was cycling slightly up and down along the Fagnano-Lake. I could have finished the cycling already after 30 km. But I had to cycle 50 km to my first destination, the Escondido-Lake.
At Escondido-Lake, who nestles beautiful in a valley, there is much more snow.
At this low temperatures, I like a flat or slightly up and down road. I always stay warm while pedaling. Because I felt quite cold after 9 km downhill after the 450 m high Garibaldi-Pass.
I passed Cerro Gastor, the southernmost Ski resort of the world, tried out the cross-country ski trails at Valle Mayor and cycled the final leg down to the entrance of Ushuaia.
There were been film shootings for a movie with Leonardo DiCaprio. What a fuss for some hollywood actors! There is a free campground two kilometers !!! down the valley, but a group of more than ten seriously looking policemen didn't let me camp for one night.
I didn't stopped in Ushuaia, one of the most expensive towns of Argentina and headed to the nearby Nationalpark.
Although the road was completely covered with ice, but a little roughend from snow chains, I didn't let me deter to continue my trip until the end of the Ruta 3. It was such a nice weather!
After a cold night with clear sky and up to -8°C, anything around the river was covered with hoarfrost. A real winter wonderland!
Because the sun is coming up late behind the mountians, after 10 a.m., and in the cold it always takes me much time to get out of my warm sleeping bag, I didn't start until 11 a.m.
Yes, would be the breakfast already prepared and there would be the smell of freshly brewed coffee, I surely would get out of my sleeping bag very fast. But it doesn't matter. I'm traveling not fleeing.
I enjoyed the whole sunny day at the Nationalpark, who is not much visited by tourists in winter season and headed back to Ushuaia while sunset, where I spend the weekend. But more next time.

Bestes Winterwetter Auf gehts!Der Rio Turbio ist ein Zufluß des Lago FagnanosAn nur wenigen Stellen fuehrt die Ruta 3 direkt am Lago entlangder Lago Escondido ist teilweise zugefrorenFrühstück nach der ersten ZeltnachtDie 8 km bergan bis zum Passo Garibaldi sind nicht schwerDer Lago EscondidoAuf dem Paß sind die Bäume wunderschön vereistDie letzten Meter zum Paß auf 450m Höheoben auf dem Garibaldi-PaßNach dem Paß führt die Ruta über 30km durch ein schönes TalSommersport trifft auf Wintersport am südlichsten Skigebiet der WeltEs fehlen nur noch die SkierNoch ein Stück bergab und dann ist Ushuaia erreichtBis das Wasser kocht kann man sich die Hände aufwärmenein TraumwinterwetterUshuaiaAm sogenannten Ende der WeltUshuaia liegt am Beagle-KanalLinks der Monte Olivia 1326m und daneben die fünf Brüder20km östlich von Ushuaia befindet sich der Nationalpark der bis zur chilenischen Grenze reichtDie Isla Redonda im Beagle-Kanal Die Insel dahinter gehört zu Chiledie Laguna Verde im NationalparkEs wird eine kalte Nacht im Nationalpark werdenDie Bucht Lapataia ist das Ende der Ruta 3Am nächsten Morgen war alles schön weißWinterwunderlandein herrliches Fleckchen Naturein Chimangokarakarader Rio Lapataia im NationalparkBucht LapataiaDie Piste ist völlig vereist aber dank der Fahrzeuge mit Schneeketten schön aufgerauhtNicht ganz ungefährlich was der junge Mann da machtDie Sonne hat hier auch im Winter viel Kraft und hat an einigen Stellen die Piste vom Eis befreitDiese Berge gehören zur bis zu 2500m hohen Cordillera Darwin die sich in Chile befindetEntspannung am Lago RocaDie Chimangokarakaras haben sich an die Touristen gewöhnt da sicher Manche ihnen Futter geben

Ein kurzes Abenteuer mit netten Bekanntschaften

06. Juli 2015 argentinia Argentinien Tolhuin KM: 31201 Tag:856

Eigentlich wollte ich erst in zwei Wochen mit dem Rad die 180 km zur Grenze für weitere 90 Tage im Paß, fahren. Doch als mich mein Freund Javier fragte, ob ich bei ihm mitfahren wolle, sagte ich, bzw. mein innerer Schweinehund, schnell zu. Gut, ich hätte es mit dem Rad überlebt, aber da hier selbst die Ruta 3 nur gelegentlich von Schnee und Eis beräumt wird, ist es kein Spaß. Und die Gegend im nordöstlichen Feuerland ist auch nicht wirklich so aufregend, dass man dort mehrmals mit dem Rad fahren möchte.
Obwohl Javier schon relativ vorsichtig fuhr, schlingerte er bergab manchmal so stark, als hätte er Einen zuviel getrunken. Erst kurz vor Rio Grande wurden die Straßenverhältnisse besser. Als wir die ca. 60000 Einwohner zählende Stadt nordwärts verließen, lag nur noch auf den Hügeln eine dünne Schneedecke, wie Puderzucker auf einem Streuselkuchen.
Auch wenn die kleine argentinische Grenzsiedlung San Sebastián meinen Namen trägt, so möchte ich hier in dieser Einöde definitv nicht wohnen wollen, sagte ich zu Javier. Er schaute mich erstaunt an und meinte, mit seinem wenigen Englisch, nicht ernst gemeint: It is beautiful!
Die Grenzformalitäten waren schnell erledigt. Stempel rein, fertig!
Auf einer üblen, schlammigen Piste, die ich vom Januar als äußerst staubige Piste in Erinnerung hatte, ging es 14 km weiter bis zum chilenischen Grenzposten. Auch hier: Stempel rein. Fertig!
500m weiter setzte mich Javier im kalten, chilenischen San Sebastián ab. Diese Siedlung besteht nur aus einer Hosteria mit Restaurant, einer Gendameria, dem Grenzposten samt Wohngebäuden der Beamten und einer Handvoll weiteren Häuschen. Auch dies ist kein Ort, wo man lange verweilen möchte.
Eigentlich wollte ich hier auch nicht lange bleiben, doch im Auto sagte mir Javier, dass die Grenze nur von 8-22 Uhr geöffnet ist. Einen Tag zuvor hatte er mir noch gesagt, dass sie 24 h geöffnet ist. Auch von anderen Reisenden hatte ich dies gehört. Wenn man sich schon mal auf Andere verlässt...
Da er nun nicht kurz nach Mitternacht wieder nach Argentinien reisen konnte, musste Sebastian in San Sebastián eine Nacht verbringen.
Wenn ich dies gewußt hätte, hätte ich mein Zelt mitgebracht. Arrrrrrr!
Für einen kurzen Moment überlegte ich, die Nacht in einem verlassenen Haus neben der Gendameria zu verbringen. Doch drinnen war es aufgrund der eingeschlagenen Fenster so zugig, dass ich mir bei Nachttemperaturen von weit unter null Grad sicher eine Unterkühlung zuziehen würde. Widerwillig ging ich in die überteuerte Hosteria, wo ich glücklicherweise einen kleinen Rabatt heraushandeln konnte.
Aufgrund des nasskalten, regnerischen und windigen Wetters, verließ ich mein warmes Bett für den restlichen Tag nicht mehr. Was sollte ich Draußen auch tun. Die 100 m im 'Ort' auf der einzigen Straße auf- und ablaufen?
Ein eisiger Wind wehte mir am nächsten Morgen um meine verhüllte Nase. Es waren gefühlte -30°C. Alles was am Abend noch nass und schlammig war, war am Morgen steinhart gefroren.
Ich wartete eine Weile auf eine Mitfahrgelegenheit. Doch von drei Truckern stoppte nur Einer und erzählte mir irgendetwas Unverständliches und zeigt mit seinem Finger nach oben, als wöllte er mir mitteilen, dass er von höherer Instanz aus niemanden mitnehmen darf. Warum er dann wohl überhaupt gestoppt hat, bleibt sein Geheimnis.
Ich lief dann die 500 m bis zum Checkpoint, erledigte die Formalitäten und wartete auf Weiteres.
Doch die Trucker wollten mich nicht mitnehmen. Sie machten einen abweisenden Gesichtausdruck, als wäre ich ein aufdringlicher Bettler, der Geld haben möchte. Dabei frage ich nur freundlich nach einer Mitfahrgelegenheit. Einer meinte, es wäre verboten. Ein Anderer sagte, ich solle doch den Bus nehmen. Und ein Weiterer verwies mich auf andere Fahrer. Doch die Krönung war dann, das Einer sagte, ich solle doch laufen. Ey, es sind fast 200 km bis Tolhuin!!!
Der Mann des kleinen Kiosks, dem ich mein Leid klagte, meinte, ich müsse kurzen Hosen tragen, lange Haare und mehr Oberweite haben, dann klappts auch mit den Truckern. Hahaha!
Ich hatte etwas später doch noch Glück. Der 29-jährige Diego nahm mich in seinem kleinen VW bis Rio Grande mit. Immerhin ein Stückchen!
An der Umgehungsstraße, am Ortseingang von Rio Grande, wartete ich wieder auf eine weitere Mitfahrgelegenheit. Keine Chance bei den Truckern. Also beim nächsten Mal setze ich mir eine Angelina Jolie-Maske auf und stopfe mir Luftballons unter die Jacke.
Abermals stoppte ein junger Mann mit seinem PKW. Er konnte mich aber nur ein Stückchen, bis zum anderen Ortsende von Rio Grande mitnehmen. So langsam arbeitete ich mich vorwärts.
Wieder wartete ich in der Kälte. Immerhin schien die Sonne, die wenigstens für warme Gedanken sorgte.
Doch ich musste nicht lange warten. Juan, ein Polizist, und Veronika, eine Lehrerin, aus Tolhuin, fuhren nicht fort, sondern stoppten ihren fast gleichnamigen Wagen. Es gibt auf Tierra del Fuego doch recht viele Menschen mit Herz.
Nur eine Stunde später war ich wieder im kleinen Tolhuin, inmitten der wunderschönen, weißen Berglandschaft und stellte fest, dass ich mittlerweile echt reisereif bin.
Desweiteren bin ich erstaunt, wie gut ich die Leute mittlerweile verstehen und mich verständigen kann. Mit Spanisch-Kenntnissen ist das hier gleich ein ganz anderes Reisen.

bis zu 5cm Schnee liegen auf der Straßeder argentinische Grenzposten14km bis zum chilenischen Grenzposteneine üble SchlammpisteSan Sebastián ist nicht meine Traum-SiedlungIn der Hosteria La Frontera haben sie ganz stolz einen symbolischen Copa América- auf den Tresen gestelltFotos der leider ausgerotteten IndigenasEs gibt sogar Kuchen de manzanaHinter dem Restaurant sind die UnterkünfteNette Blümchen-TapeteBeim Fruehstueck-Im chilenischen Fernsehen dreht sich alles um den gewonnenen Copa AméricaBrrrr ist das kalt am MorgenAuf gehts zur GrenzeMit Diego aus Porvenir überquere ich die GrenzeAlles knüppelhart gefroren Da hätte ich kein Problem mich aufs Rad zu schwingenIm argentinischen Teil Feuerlands ist bester AsphaltRio Grande-Die Stadt deiner Träume steht auf dieser Tafel Also meiner Träume definitiv nichtUnd hier außerhalb Rio Grandes musste ich ein letztes Mal auf eine Mitfahrgelegenheit warten

Fazit Malaysia

11. August - 10. September 2014 Malaysia-Flag Malaysia
08. Dezember - 20. Dezember 2014 Malaysia-Flag Malaysia

die Route

Was das Reisen mit dem Fahrrad betrifft, da kann ich mich mit Malaysia nicht so richtig anfreunden.
Vor allem auf meiner Route an der Westküste entlang, gibt es nur wenige, ruhige Straßen.
Und vor allem der Großraum Kuala Lumpur ist für Radfahrer absolut kein Spaß. Alles ist für den motorisierten Verkehr ausgebaut worden. Besonders wenn man keine Ortskenntnisse hat, wird man oft auf vier- bis sechsstreifigen, kreuzungsfreien Straßen landen.
Aber es gibt an der Westküste auch ruhige, idyllische Landstraßen. Doch dann muss man teils Umwege in Kauf nehmen.

Aber wenn ich das Radfahren ausklammere, gefällt mir Malaysia mit seiner multikulturellen Gesellschaft und den gastfreundlichen Menschen sehr.
Doch anfangs war es für mich, als ich aus dem größtenteils ethnisch homogenen Thailand kam, gewöhnungsbedürftig, vor allem in den Städten ständig verschieden aussehende Menschen mit unterschiedlichen Religionen und Gebräuchen zu sehen.
Von außen betrachtet scheint das Zusammenleben der vier großen Hauptethnien Malaysias, die Malaien (51 %), die Chinesen (24 %), die indigenen Völker Orang Asli und Dayak (11 %) und die Inder (7 %), friedlich zu verlaufen. Und tatsächlich ist es auch weitestgehend friedlich. Aber ich habe mitbekommen, dass es hinter den Kulissen seit einigen Jahren etwas kriselt. Denn es sind die Malaien, die in der Regierung das Sagen haben. Daher werden die Minderheiten in diversen Bereichen gegenüber den Malaien benachteiligt. Auch soll Malaysia, das eigentlich als ein liberales, muslimisches Land gilt, mehr und mehr zu einem konservativen muslimischen Staat tendieren.

Die Menschen waren mir gegenüber stets freundlich und nicht aufdringlich. Selbst auf dem Land merkte ich, dass sie westliche Ausländer gewöhnt sind. Sowohl ich, als auch mein Rad samt Ausrüstung wurden nicht neugierig beäugt, als käme ich von einem anderen Planeten.

Bahasa Malaysia ist die offizielle Amtssprache, die jeder beherrscht. Da Malaysia bis 1957 eine britische Kolonie war, ist die englische Sprache für Viele die Zweitsprache. Doch untereinander unterhalten sich die Minderheiten, wie die Inder und Chinesen meist in ihren eigenen Sprachen. Dabei fiel mir bei meinen chinesischen Freunden in Kuala Lumpur auf, dass sie einen Mix aus Englisch und einer chinesischen Sprache verwenden.

Zwischen Kuala Lumpur, der wohl unschönsten ('häßlich' klingt mir doch etwas zu negativ) Hauptstadt, die ich auf meiner Reise besichtigt hatte, und den Kleinstädten und Dörfern sieht man einen relativ hohen Unterschied im Lebensstandard. Während die Chinesen, die meist einen hohen Bildungsgrad haben und entsprechend gut verdienen, ein Leben wie ein Gutverdiener in Deutschland führen, leben die Menschen in den Dörfern, meist die Malaien, in einfacheren Verhältnissen.

Da Malaysia ein höher entwickeltes Land, als die Nachbarländer Thailand und Indonesien ist, sind die Preise auch etwas höher. Eine Zimmer für unter 10 € die Nacht bekommt man so gut wie gar nicht.
Die Preise des Essens sind auch etwas höher, aber im Vergleich zu Deutschland immer noch sehr günstig. Aber wer auf Fleisch verzichten kann, wird bereits für 1,50 € satt.
Es gibt überall kleine Garküchen und in den Städten sogenannte Foodcourts mit leckeren chinesischen, malaiischen oder indischen Gerichten zu niedrigen Preisen.
In den, meist chinesischen, Foodcourts findet man ringsum mehrere kleine eigenständige Stände mit verschiedenen Gerichten. Gewöhnungsbedürftig war für mich anfangs, dass man das Essen, wenn man es an den Tisch bekommt, sofort zahlen muss, was in den Nachbarländern Thailand und Indonesien nicht üblich ist.
Der Inhaber des Gebäudes des Foodcourts ist meist für den Getränkeverkauf zuständig. Das heißt, dass, wenn man das Essen an einem Tisch im Foodcourt verzehren möchte, man mindestens ein Getränk bestellen muss.
Ich fühlte mich als Ausländer in Malaysia, sowohl beim Essen als auch bei Unterkünften nie übervorteilt. Die Menschen waren stets ehrlich zu mir.
Überhaupt spielt Gastfreundschaft sowohl bei den Malaien, als auch bei den Chinesen eine hohe Rolle. Meine Warmshowers-Gastgeber (Radfahrer-Community) zeigten sich meist sehr großzügig.
Mit malaysischen Indern hatte ich dagegen leider keinen näheren Kontakt.

Was die Sicherheit betrifft, so ist Malaysia ein sehr sicheres Reiseland. Man sollte lediglich in den Touristenzentren, wie zum Beispiel Kuala Lumpur oder Georgetown, auf seine Wertgegenstände achtgeben. Ich kenne zwei Fälle von Radreisenden, denen im letzten Jahr von vorbeifahrenden Motorrollerfahrern, die Gürtel- oder Handtasche entrissen wurde. Dies kommt in Malaysia leider recht häufig vor.

Tage: 44
Tage auf dem Rad: 16
Kilometer: 1412 km
längste Etappe: 157 km
kürzeste Etappe: 44 km
höchster Punkt: 1624 m
tiefster Punkt: 0 m
Klima : im August war fast jeder Tag anfangs sonnig und später gab es teils starke Gewitterschauer; im Dezember war es ähnlich, jedoch mit etwas weniger Regen
höchste Temperatur: ca. 34 °C
tiefste Temperatur: ca. 16°C (frühmorgens in den Cameron Highlands auf 1400 m Höhe), im Tiefland geht die Temperatur auch nachts nicht unter 20°C

Was für ein Buffetchinesischmalaiischmalaiisch mit FischMee Goreng auf Deutsch Bratnudelnmalaiisch2malaiisches Buffet in Melakaindische Samosachinesische Nudelsuppemalaiisch3chinesisch2ein indisches ThaliNasi Goreng auf Deutsch Bratreisein kleiner indischer Snackmalaiisch4Nasi Gorengmalaiisch5chinesisch3chinesisch4indischchinesisch5ein indisches Dosa-Hmmm leckermalaiisch6Mee Gorengweder malaiisch noch indisch oder chinesisch Für diesen Preis haette ich in einer Garkueche zweimal essen können Dafür gabs hier eine Klimaanlagechinesisch6Roti Canai ist in etwa zerkleinerter Crepes mit würzigen SoßenWenn man mit Chinesen Rad fährt gibts jede Menge leckere Sachenchinesischer SnackIce-Kacang ist ein Eisbecher malaiischer Artmalaiisch7Lontong und ein Kopi Susu-Auf Deutsch Suppe mit gepresstem Reis und Kaffee mit gesüsster Kondensmilchmalaiisch8malaiisch9malaiisch10selbst in Dörfern gibt es Garküchen mit Selbstbedienungchinesische Suppe und ein Ice-Kacangtypisch südindisch Essen auf dem Bananenblattmalaiisch11Eis mit Kokusnussmilchmit meiner chinesischen Gastgeber-Familie in Melakachinesisch7da hat man die Qual der Wahlich hatte mich dafür entschiedenkoreanisch in Kuala LumpurTeh O Limau ist Tee mit frischer Limone Mit Eis sehr erfrischendindisch2beim Inderindisch3malaiisch12

Fazit Indonesien

10. September - 30. November 2014 Indonesia-Flag Indonesien

die Route

Dieses Fazit bezieht sich nur auf die von mir besuchten indonesischen Inseln Sumatra, Java und Bali.

die Menschen

Von Anfang an fiel mir die offene, fröhliche Art der Menschen auf. Sie lachten viel und manchmal, wenn ich meine Kamera zückte, posierten sie für ein Foto.
Bereits in der ersten Stadt auf Sumatra, nach der Ankunft von Malaysia, spürte ich auch die unkomplizierte Hilfsbereitschaft der Menschen.
Eine Eigenart der Menschen in den Dörfern, vor allem auf Sumatra, ist es, westlichen Ausländern ein 'Hello Mister' zuzurufen. Es war anfangs schön, von den stets fröhlichen Menschen begrüßt zu werden. Doch an manchen Tagen wurde es mir auch etwas zuviel.
Junge Frauen waren dagegen manchmal extrem schüchtern, wenn ich auf sie zu kam und etwas wollte, und sei es auch nur, um nach dem Weg zu fragen. Als ich einmal in einem Restaurant, nach einem Gästehaus fragen wollte, verschwanden die jungen Angestellten, noch bevor ich die Tür öffnete, in einem Hinterraum hinter dem Tresen. Kichernd schiebten sie dann eine ihrer Kolleginnen hinter dem Vorhang hervor, die mit mir reden musste. Denn nicht nur, dass sie kein Englisch sprechen und mir womöglich nicht helfen können, ist ihnen peinlich, auch weil sie wahrscheinlich zum ersten Mal einem westlichen Ausländer gegenüberstehen.
Aber ich habe junge Frauen auch ganz anders erlebt. Wie zum Beispiel, als einmal auf Sumatra ein Schulbus voller Teenager stoppte, und fünf 16-jährige Mädchen kreischend auf mich zu rannten und von mir fotografiert werden wollten und anschließend voller Freude wieder zurück zum Bus rannten.
Bereits auf der Fährfahrt von Malaysia wurde ich von zwei Männern immer wieder angestarrt, weil ich anders aussehe. Dies erlebte ich auch ab und zu auf Sumatra. Besonders junge Leute und Kinder starrten mich manchmal lange an. Denn vermutlich sehen sie hellhäutige, langnasige, blondhaarige und blauäugige Menschen aus dem westlichen Ausland nur selten aus direkter Nähe.
Von jungen Frauen wurde ich auf Sumatra einige Male regelrecht angehimmelt. Denn helle Haut gilt in ganz Asien als Schönheitsideal.
Die Menschen auf Java scheinen westliche Ausländer etwas mehr gewöhnt zu sein, denn ich erregte nicht mehr so ein großes Aufsehen wie auf Sumatra. Doch die Bewohner sind ebenso freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit.
Auf Bali merkte ich dagegen schnell, dass ich nur noch einer unter vielen Touristen bin. Das Einzige, was mich noch vom 'Normaltouristen' unterschied, ist mein Transportmittel.
Doch die Menschen sind wie auch anderswo in Indonesien, stets freundlich und hilfsbereit. Aber diese aufgeschlossene Fröhlichkeit Ausländern gegenüber, wie ich sie auf Sumatra erlebt hatte, habe ich auf Bali, doch etwas vermisst.

Verständigung

In größeren Städten trifft man häufig jemanden, der gut Englisch spricht. Und die Indonesier, die im Tourismus arbeiten, sprechen meist sehr gut Englisch.
In den Dörfern sieht es dagegen mit der Verständigung schlechter aus. Da aber Englisch als Fremdsprache in den Schulen, selbst in Dörfern, sehr beliebt ist, wird man häufig auf Schüler treffen, die ein ausreichend gutes Englisch sprechen, und manchmal ihr Englisch auch anwenden wollen.
Doch das Bahasa Indonesia, wie die offizielle Amtssprache Indonesiens heißt, ist für Deutsche relativ leicht zu erlernen. Denn die Aussprache ähnelt sehr dem Deutschen und die Schrift besitzt latainische Buchstaben.
Zur malaiischen Sprache, von der die Indonesische abgeleitet ist, bestehen kaum Unterschiede.
Wenn man die Zahlen 1 bis 20 kann, ist der Rest kein großes Problem mehr. Da die Zahlen der Preise sehr hoch sind, muss man nur noch das Wort für Tausend (ribu), kennen.
Da die Indonesier neugierig sind, wird man oft nach dem Woher und Wohin angesprochen, was das Erlernen der Sprache sehr einfach macht. Daher hatte ich mir schnell den, für meine Reise nötigen Grundwortschatz, angeeignet.
Die vielen verschiedenen Völker, die in Indonesien leben, haben jedoch auch ihre eigenen Sprachen, die sie im täglichen Leben sprechen. Doch jeder spricht auch fließend Bahasa Indonesia, meist nur kurz Bahasa genannt, das als Amtssprache in der Schule gelehrt wird.
Auf Bali ist aufgrund der Touristen das Englische deutlich verbreiteter als auf den anderen, von mir besuchten Inseln. Meist wurde ich in Englisch gefragt, woher ich komme.

Religion

Indonesien ist mit über 200 Mio. Muslimen der weltweit größte muslimische Staat.
Dabei sind auf Sumatra vor allem die Bewohner in der Provinz Banda Aceh und rund um Bukittinggi konservativ muslimisch.
Ungewohnt war, nach langer Zeit fernab von christlichen Regionen, dass ich rund um den Tobasee in jeder Ortschaft eine Kirche sah. Denn das Volk der Batak, das in diesem Hochland lebt, ist mehrheitlich protestantisch-christlich.
Im Medan, wo eine große indische Minderheit lebt, sieht man Hindu-Tempel.
Die Bewohner Javas sind mehrheitlich muslimisch, aber nicht so konservativ wie ich es auf Sumatra erlebt hatte. Vor allem in den Städten habe ich viele Frauen in westlicher Kleidung, das heißt in Jeanshosen und T-Shirt o.ä. und manchmal auch ohne Kopftuch gesehen.
Im Osten Javas, vor allem am Vulkan Bromo, leben einige Hindu-Buddhisten. Daneben gibt es, wie auch auf Sumatra chinesische Minderheiten, mit ihrer chinesisch-buddhistischen Religion.
Bali ist mehrheitlich Hinduistisch. Durch die Insellage konnten die Bewohner über Jahrhunderte hinweg ihre Religion gegenüber den Muslimen verteidigen. Die dortigen Hindu-Tempel besitzen einen einzigartigen Baustil.

Verkehr

Wer Radfahren auf ruhigen Straßen liebt, wird, auf den von mir besuchten Inseln, wohl nur auf Sumatra wirklich glücklich werden. Der Trans-Sumatra-Highway im Landesinneren, besitzt abseits der größeren Städte nur eine sehr geringe Verkehrsdichte. Meist sind es nur noch Mopeds, die auf dieser gut asphaltierten Straße unterwegs sind.
Ich habe mein Rad noch nie so oft geschoben wie in Indonesien. Vor allem auf kleineren Nebenstraßen sind die Anstiege abschnittsweise brutal steil.
Die stark befahrene Straße von Medan nach Berastagi, gleich zum Anfang meiner Indonesienreise, war der reinste Horror und ein recht gefährlicher Abschnitt. Doch danach wurde es am Tobasee recht ruhig.
Auf Java, dass die höchste Bevölkerungssdichte unter den indonesischen Inseln besitzt, sollte man, wenn es geht, die meist stark befahrenen Hauptstraßen, die in einem guten Zustand sind, meiden. Wenn man kleine Umwege in Kauf nimmt, kann man auf halbwegs ruhigen Dorfstraßen fahren. Doch sollte man dann dort keinen guten Asphalt erwarten.
Im Norden Balis sind die Straßen nicht so stark befahren. Aber im deutlich touristischeren Süden ist die Verkehrsdichte rund um Denpasar sehr hoch. Dabei sind die Straßen zwar sehr gut asphaltiert aber teilweise recht schmal.

Kosten

Indonesien ist von den Kosten her mit Indien vergleichbar und für mich als Europäer eines der günstigsten Reiseländer.
Für unter einen Euro (1 € = ca. 15000 Rupiah, Oktober 2014) kann man in den günstigen Garküchen satt werden. Nasi Goreng (Bratreis) zum Beispiel, bekommt man abseits der Touristenzentren für 8000-15000 Rupiah.
In Touristenorten, vor allem in den besseren Restaurants, muss man für Nasi Goreng oft das Doppelte bis Vierfache zahlen.
Für die einfachsten Unterkünfte zahlte ich zwischen 5-7 € pro Nacht. Da darf man natürlich keine Klimaanlage, westliche Toiletten und hohe Sauberkeit erwarten. Will man eine Unterkunft mit Klimaanlage, muss man dann mit Preisen ab 10 € aufwärts rechnen.
Was mich erstaunte, waren die hohen Preise der Unterkünfte in manchen Städten auf Sumatra. Einmal habe ich für eine Unterkunft, die einem Gefängnis glich, 13 €/Nacht gezahlt, während ich auf Bali für ein Zimmer, mit westlichem Komfort, inkl. Klimaanlage, nur 8 € zahlte.

Essen

Das indonesische Essen steht auf meiner kulinarischen Favoritenliste zusammen mit Indien auf der Spitzenposition.
Der Hauptbestandteil des Essens ist Reis und Fisch. Dazu wird auch viel Gemüse gegessen. Hühnerfleisch wird auch recht viel verzehrt. Schweinfleisch dagegen aus religiösen Gründen nur in den christlichen Gebieten oder auf Bali.
Mein Favorit ist die sogenannte Padang-Küche aus Westsumatra. Die Padang-Restaurants findet man aber in ganz Indonesien vor. Die Gerichte stehen, wie auch in den meisten Restaurants und Straßenküchen, fertig zubereitet hinter dem Fenster und sind kalt. Nur der Reis wird im Reiskocher warmgehalten. Doch im tropischen Klima Indonesiens ist das Essen nicht wirklich kalt.
Man kann dabei unter verschiedenen Gemüse-, Fisch-, und Fleischgerichten je nach Geschmack auswählen. Manchmal wird dem Gast auch alles, was es gibt, auf dem Tisch serviert und er bezahlt dann nur das, was er gegessen hat.
Wasser braucht man als Radreisender in Indonesien überhaupt nicht zu kaufen. Es sei denn, man braucht mal wieder eine neue Flasche.
Ich konnte jeden Tag meine Flaschen an den Wasserbefüllstationen wiederauffüllen. Bei diesen kleinen, privaten Geschäften, die man auch in Dörfern vorfindet, füllen die Einheimischen ihre 20 Liter Gallonen (je Gallone 4000 Rupiah, ca. 0,26 € ) mit gefiltertem Wasser auf. Meist habe ich gefragt, wieviel ich zahlen soll. Doch fast immer hat man mir die 2-3 L, die ich haben wollte, geschenkt.
Und es hat nicht nur einen Kostengrund, warum ich meine Flaschen stets wieder nachfülle. Man bedenke mal den Plastikflaschenmüllberg eines Monats oder eines ganzen Jahres, wenn ich zum Beispiel drei bis vier 1,5 L-Flaschen am Tag verbrauchen würde.

Betrug und Ausländerabzocke

Das man als Ausländer mehr zahlen muss, habe ich in Indonesien meist nur dort erlebt, wo viele ausländische Touristen unterwegs sind. Aber es ist mir auch einige Male abseits von Touristenzentren passiert, dass ich deutlich mehr zahlen sollte.
Besonders ein Moment ist mir dabei in Erinnerung geblieben. Als ich in einem dieser Dorfrestaurants mit kleinen Terrassen nächtigen durfte, wurde mir dann ungefragt ein Essen zu einem Preis serviert, für den ich in einem Hotel hätte übernachten können.
In der Touristenhochburg Bali wird von Ausländern fast überall mehr verlangt. Aber nicht nur Ausländer sind davon betroffen. Ein Indonesier aus Java erzählte mir, dass er als Tourist auf Bali manchmal auch mehr zahlen muss, weil er kein Balinese ist. Die Leute würden dies sofort an der Sprache erkennen.
Erstaunlicherweise habe ich in Denpasar auf Bali, im Wohnviertel meines Gastgebers, wo sich so gut wie nie Ausländer blicken lassen, für das Essen nie mehr als die Einheimischen zahlen müssen.
Die Unsitte von Ausländern bei Museen und Sehenswürdigkeiten deutlich mehr zu verlangen gibt es, wie in den meisten asiatischen Ländern leider auch in Indonesien. Da kann es auch schon mal der 10- bis 20-fache Preis als für Einheimische sein. Bemerkenswert ist dabei, dass es meist die staatlichen Einrichtungen mit solch überhöhten Preisen sind. Im privaten Sultanspalast von Yogyakarta war es für Ausländer nur der doppelte Preis.

Sicherheit

Indonesien würde ich, was die Kriminalität betrifft, als ein sicheres Reiseland bezeichnen. Auf die persönlichen Wertsachen sollte man natürlich, wie in jedem Land, stets achtgeben.
Das Gefährlichste für mich als Radfahrer ist, wie auch in den meisten Ländern, der Straßenverkehr.

Gesundheit

Gesundheitliche Probleme hatte ich in Indonesien überhaupt keine.
Wer, wie ich, durch eine lange Reise bereits eine 'asiatische Darmflora' besitzt, kann an jeder kleinen Straßenküche essen. Ich meine damit aber nicht, dass das Essen sehr verunreinigt ist. Man sollte dort aber keine deutsche Lebensmittelhygiene erwarten. Wer als Individualtourist dahingehend aber nur in den teueren Touristenrestaurants essen geht, verpasst meiner Meinung nach, Einiges.

Schlusswort:

Indonesien gehört mit zu meinen Favoriten unter den Reiseländern, wohin ich jederzeit gerne wieder reisen würde.
Vor allem die Insel Sumatra hat mir mit seinen fröhlichen und aufgeschlossenen Menschen und den meist ruhigen Straßen sehr gefallen.
Die dichtbesiedelte Insel Java war anfangs dagegen weniger schön. Erst in Zentral-Java wurde es mit den Vulkanen interessanter und dann im Osten auf den Straßen ruhiger. Doch als so schlimm, dass man Java verkehrsmäßig als Hölle bezeichnen kann, wie ich es so oder ähnlich im Internet gelesen habe, empfand ich es im Großen und Ganzen nicht. Ich kann mir sogar vorstellen, ein zweites Mal durch Java zu fahren.
Die kleine Insel Bali fand ich zwar auch interessant, vor allem die einzigartigen Tempel, die man nur auf Bali zu sehen bekommt, aber da ich vorher bereits auf Sumatra und Java war, hat es mich nicht mehr so sehr vom Hocker gehauen. Vor allem der Süden Balis war mir zu touristisch.


Tage: 81
Tage auf dem Rad: 50
Kilometer: 3820 km
längste Tagesetappe: 196 km
kürzeste Tagesetappe: 19 km
höchster Punkt: 2375 m
tiefster Punkt: 0 m

Sonnentage: 52
Regentage: 11
höchste Temperatur: ca. 34 °C
tiefste Temperatur: ca. 10°C

GemüseomeletSolch einen Kopi Susu also Kaffee mit Kondensmilch bekam ich nur auf SumatraDas Essen ist meist kalt aber bei den tropischen Temperaturen nicht wirklich kalteine leckere Nudelsuppesüsses ReisgebaeckMie Goreng sind BratnudelnMittagessen mit grandioser Aussicht auf den Tobaseein Indonesien gibt es viel GemüseNudelsuppeKokusnuss-ReisgebaeckManchmal bekommt man Einiges serviert und zahlt dann nur das was man gegessen hatverschiedene SoßenIch habe nicht alles gegessenLontong sind gepresste Reisstuecke die entweder in einer Suppe oder zu einem Salat wie Gado-Gado gegessen werdenSoto PadangNasi Goreng mit Spiegelei und den Krupuk, das sind Reiscrackermanchmal durfte ich mir auch selbst den Teller volladenIn Indonesien wird sehr viel Fisch gegessenFisch im Bananenblatt geduenstettypische Kaffeepause am NachmittagDer Reis ist im Bananenblatt eingewickelttypiches Essen eines Padang-RestaurantsLotek ist ein Salat mit Erdnußsoße Auch wieder mit KrupukBubur Ayam ist ein Reisbrei mit etwas Gemuese und Haehnchenfleischeine einfache und sehr guenstige AbendmahlzeitTouristen-Fruehstueck im Homestay an der Nordkueste Balis

Deutschland aus der Sicht der Menschen in meinen Reiseländern

Mit welchen Wörtern wird Deutschland im Ausland am ehesten assoziiert?
Da ich mittlerweile viele verschiedene Länder durchquert habe, habe ich einiges über Deutschland gehört.
Hier mal eine Auflistung der Wörter, die am Häufigsten im Zusammenhang mit Deutschland gebracht wurden.
(in absteigender Reihenfolge)

Football
Cars
Angela Merkel
Berlin, München, Hamburg, Frankfurt
Rich country
Big money
Beer
Oktoberfest
German engineering
Hitler, Nazi

Und jetzt genauer beschrieben:


Football

Das am häufigsten mit Deutschland in Zusammenhang gebrachte Thema ist ganz klar der Fußball. Was sonst auch bei einem mehrmaligen Weltmeister.
Selbst im Wüstenstaat Usbekistan wurde mir, als ich sagte, dass ich aus Deutschland bin, 'Borussia Dortmund' und 'Bayern München' entgegnet. Und nicht nur dort, sondern in vielen Ländern kennt man einige der besten deutschen Vereine. Oft wurde ich gefragt, welcher mein Lieblingsverein ist. Und der Einfachheit halber, habe ich meist einen dieser beiden oben genannten Vereine genannt.
Auch wurden mir oft die Namen einiger der besten deutschen Fußballer genannt. Dabei fiel der Name 'Schweinsteiger' am Häufigsten.
Und nachdem Deutschland Fußball-Weltmeister geworden ist, hieß es dann manchmal, als ich sagte, dass ich aus Germany bin: 'Worldchampion!'
Man könnte bezüglich der Weltmeisterschaft denken, das Argentinier jetzt nicht mehr besonders gut auf Deutsche zu sprechen sind. Aber ich habe dahingehend noch nichts Negatives erlebt. Aber man sagte mir, dass nach dem Spiel die Enttäuschung in Argentinien sehr groß war.
Als Randnotiz möchte ich anmerken, dass die Argentinier mir gegenüber, bezüglich der letzten WM (D-Bras. 7:1), manchmal über die Brasilianer witzeln.

Cars

Dass deutsche Automarken weltweit berühmt und beliebt sind, weiß sicher jeder. Am Häufigsten wurde dabei der Name 'Mercedes Benz' genannt.
Ich habe das Gefühl, als würde in vielen Ländern gedacht, dass fast jeder Deutsche einen solchen Oberklassewagen fährt.

Angela Merkel- The strong lady

'Angela Merkel', dieser Name fiel auch manchmal als Stichwort bei kurzen Begegnungen.
Während die Kanzlerin bei vielen Deutschen scheinbar nicht beliebt ist, wird sie in anderen Ländern als 'strong Lady' und sehr gute Regierungschefin geachtet und trägt somit zum sehr guten Ansehen Deutschlands in der Welt bei.

Berlin, München, Hamburg, Frankfurt

Die einzigen weltweit bekannten deutschen Städte, scheinen die oben genannten zu sein. Denn meist wurden diese Städte genannt, wenn man mich nach meinem Wohnort fragte.
Wenn ich Chemnitz nannte, schaute man mich erwartungsgemäß immer unwissend an. Dann versuchte ich es mit Dresden. Auch kein Erfolg. Also sagte ich dann immer, dass ich ein Stück südlich von Berlin wohne. Manchmal gab ich mich auch der Einfachheit halber, als Berliner aus.

Rich country

In allen ärmeren Ländern Asiens gilt man schon alleine durch eine helle Hautfarbe als sehr reich. Und genau genommen bin ich als Reisender gegenüber den Menschen in den meisten Ländern Asiens sehr reich. Denn der Großteil der Menschen dort kann sich keine Reise in ferne Länder, geschweige denn einen Urlaub leisten.
Doch wenn ich Deutschland als Herkunftsland nannte, bekam ich manchmal ein kleines, fast schon ehrfürchtiges Staunen entgegnet. Denn Deutschland und die Deutschen gelten alle als steinreich.

Big money

Nicht nur in Indien bekam ich von den Menschen zu hören, als ich sagte, dass ich aus Germany komme, dass ich aus einem sehr reichen Land komme. Doch in Indien bekam ich einige Male zu hören, dass ich 'big money' oder ähnliches, bin. Dabei ist mir ein Moment besonders gut in Erinnerung geblieben.
Als mich in Varanasi am Gangesufer ein Mann, der mir offensichtlich etwas verkaufen wollte, fragte, aus welchen Land ich komme. Entgegnete er mir, als er hörte, dass ich aus Deutschland komme, kurz und knapp aber scheinbar höchst erfreut: Oh, big money! Ich fand das aber gar nicht lustig, sondern genau genommen ziemlich respektlos und sagte das ihm auch.

Beer

Das Deutschland gute und viele verschiedene Biere besitzt, das wissen auch viele Menschen im Ausland. Auch andere europäische Reisende erwähnten mir gegenüber den sehr guten Geschmack der deutschen Biere.

Oktoberfest

Das Stichwort Oktoberfest fiel auch hin und wieder. Denn dieses Fest ist ja schon länger weltbekannt. Mittlerweile gibt es auch kleinere Kopien in anderen Ländern.

German engineering

Einige Male wurde mir gegenüber Deutschland für seine sehr gute Ingenieurskunst und die Maschinen, darunter natürlich auch die Autos, gelobt.

Hitler, Nazi

Deutschland ist in der Welt natürlich nicht nur für die positiven Dinge bekannt. Einige Male bekam ich die Worte 'Hitler' und 'Nazi' zu hören. Sie meinten aber nicht, dass ich ein Nazi sei. Es ist eben so, dass den Menschen diese beiden Worte zum Thema Deutschland einfallen.
Doch ein Land erstaunte mich dahingehend doch sehr.
Hitler ist in Indien populär. Da werden Geschäfte oder Artikel, wie zum Beispiel Eiscreme oder Türschlösser, nach ihm benannt.
Inder sagten mir, dass sie Hitler für einen sehr guten Staatsmann halten und er gut für Deutschland gewesen sei. Manche meinten, er hätte Deutschland groß und stark gemacht. Auch das Buch 'Mein Kampf' kannten erstaunlicherweise einige Inder.
Aber dass er einer der größten Verbecher der Menschheitsgeschichte ist, wissen viele nicht.

 Deutschland

Wanderung auf den Jeujepen

18. Mail 2015 argentinia Argentinien Tolhuin KM: 31187 Tag:807

Es passte einfach alles, als ich an einem sonnigen, kühlen Herbsttag im April den Berg Jeujepen bestieg.
Ich brauchte weder die ersten sieben Kilometer entlang der Ruta 3 bis zum Beginn des Waldweges, auf denen mich ein netter Mann aus Rio Grande, der auf dem Weg nach Ushuaia war, mitgenommen hatte, laufen, noch die nächsten sieben Kilometer bis zum Aussichtspunkt, den ich bereits einige Wochen zuvor mit dem Fahrrad erklommen hatte.
Ab dem mirador, zu deutsch: Aussichtspunkt, beginnt der Pfad, der mich zum Gipfel führen sollte. Auf den ersten Metern kann man es jedenfalls noch Pfad nennen. Doch dann konnte ich ihn im Wald kaum noch erkennen. Die weißen Zettel, die jemand an den Bäumen angebracht hatte, halfen zwar, doch sie waren in diesem Wirrwarr an Bäumen soweit voneinander entfernt, dass ich jedesmal, wenn ich eine Markierung erreicht hatte, die Nächste suchen musste.
Dass man es den Wanderern hier nicht leicht macht, merkte ich dann einige Meter weiter, wo ich ernsthaft zweifelte, den Gipfel bis zum Nachmittag erreichen zu können. Hunderte alte Stämme liegen dort kreuz und quer herum. Wo soll hier der Pfad zum Gipfel sein, fragte ich mich. Und allen Ernstes sah ich mitten in diesem Chaos hier und da ein weißes Zettelchen hängen. Das Anbringen dieser Markierungen muss irgendjemandem viel Spaß bereitet haben.
Wie dem auch sei, ich kletterte über und kroch unter den alten Bäumen hindurch und balancierte auf meterlangen Stämmen entlang. Da waren die Hindernisläufe und das Turnen auf dem Schwebebalken im Schulsportunterricht also doch zu etwas nütze.
Was kommt wohl als nächste Schwierigkeit?, fragte ich mich nach diesem, glücklicherweise nur ca. 100 m langen Abschnitt. Ein Sumpf? Treibsand? Schlangengruben? Ich bin doch nicht Dr. Jones auf der Suche nach dem Heiligen Gral.
Doch die nächste Prüfung bestand dann wieder nur aus weiße Zettel suchen. Einen richtigen Pfad konnte ich erst später, als der Wald nur noch aus Krüppelbäumchen bestand, erkennen.
Und plötzlich sah ich helles Licht am Ende des Waldes. Hatte ich den Treibsand übersehen? Nein, das war wirklich die Baumgrenze auf 600 m Höhe. Dass ich so schnell da oben sein werde, hatte ich nicht erwartet. Es bot sich mir eine herrliche Aussicht auf den Lago Fagnano und die umliegenden Berge.
Auf dem steinigen Boden, der mit Moosen und Flechten in den verschiedensten Grüntönen übersät ist, stieg ich dann die letzten Meter zum 712 m hohen Gipfel, den ich nach zwei Stunden Aufstieg erreicht hatte, hinauf.
Es war wirklich ein perfekter Tag. Denn auch da oben, in dieser kargen Landschaft, die mich an Riesengebirgswanderungen in Kindheitstagen erinnerte, wehte nur ein kleines Lüftchen.
Manche haben nur eine Stunde bis nach oben benötigt, las ich später im Gipfelbuch, dass in einem kleinen Container liegt. Angeber! Dafür habe ich die Wanderung genossen und viele schöne Fotos gemacht. Denn wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel.

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A hike to the Jeujepen

Everything was perfect when I was hiking to the summit of the Jeujepen on a sunny, cold fall day in April. Neither I had to walk the first seven kilometers along the ruta 3 to the beginning of the path, where I hitchhiked with a nice guy from Rio Grande, who was going to Ushuaia, nor the next seven kilometers to the viewpoint, which I had already climbed by bicycle a few weeks before.
The path which will lead me to the summit starts from the mirador, in english: viewpoint. You can call it path on the first meters anyway. But I hardly couldn't see it later in the forest. The white mark on some trees were been a little help indeed, but they are located so far apart in this jumble of trees that I had always to search for the next, when I reached one.
I seriously doubted to reach the summit until afternoon a few meters further, there I remarked they make it not easily for hikers here. Hundreds of ancient tribes are crisscrossing around. Where is the path which should be here, I was wondering me. And in all seriousness I saw the white mark in this chaos here and there. When attaching the mark somebody must have had much fun.
Anyway I climbed over and crawled under the ancient trees and balanced on meter-long tribes. The steeplechases and the exercises on the balance beam in the school sport was not a waste of time. I wondered what is the next test after this luckily just about 100 m part. A swamp? Shifting sand? Pits full of snakes? I'm not Dr. Jones looking for holy grail!
But the next test was just looking for the white marks again. I could see a visible path later than the forest consisted of stunted trees only.
Suddenly I saw a bright light at the end of the forest. Did I overlook the shifting sand? No, this was really the treeline on 600 m. I didn't expect to be there so fast. This place offered me an amazing view to the Fagnano lake and the surrounding mountains.
I climbed up the last meters on a stony ground, covered with moss and lichen to the summit on 712m, which I reached after two hours.
It was really a perfect day. Even up there in this barren scenery, which reminds me to hikings in the Sudeten Mountains of the Czech Republic in my childhood, was just a slight breeze.
Some were climbing up just for one hour, I red in the summit book, which was in a small container. Braggarts! But I have enjoyed my hike and made lots of nice pictures.
Well as the saying goes: The path is the goal!

(I will write for my not german speaking friends every now and then in english. And I can improve my english too. And sorry for the mistakes, which the english text certainly contains.)

Ein perfekter Freitagmorgen Genau in der Bildmitte ist der Gipfel des JeujepenAuf gehts in den Wald hineinEs war eine kalter MorgenAussichtspunkt auf 300 m Höheein sehr gut ausgebauter WanderpfadWo mag wohl das nächste weiße Zettelchen hängenDa ist esab 500m Höhe wachsen nur noch Krüppelbäumeauf 600m Höhe befindet sich die BaumgrenzeEs ist noch ein kleines Stück bis auf den GipfelDer Boden ist fast komplett mit Moosen zugewachsenBlick nach SüdwestenEinen kleineren Gipfel habe ich erreichtNoch etwa einen Kilometer dann bin ich ganz obenBlick nach TolhuinGeschafft! Auf 712m HöheIch habe mich auch mal ins Gipfelbuch eingetragenBlick auf den Lago FagnanoAbseits des Pfades kommt man kaum durchÜberall hängen die StrauchflechtenWährend des Abstieges muss ich wieder durch das BaumchaosHier und da hängt ein weißes ZettelchenSchön wars

herbstliche Ostertour am Cerro Jeujepen

13. April 2015 argentinia Argentinien Tolhuin KM: 31108 Tag:772

Als sich am Morgen des Ostermontags sonniges Wetter ankündigte, zögerte ich nicht lange und machte mich für eine kleine Radtour zum Cerro Jeujepen, einem knapp über 700 m hohem Bergmassiv, das man auf einem breiten, nicht asphaltierten Weg umrunden kann, startklar.
Die ersten Kilometer waren zwar etwas kühl, aber es war nach zwei Monaten Fahrradpause, außer dem kurzen Weg zum Supermarkt, ein wunderbares Gefühl, für ein längeres Stück im Sattel zu sitzen.
Anfangs hatte ich wieder dieses seltsame Gefühl, wie in den Wochen zuvor, wenn ich einige Tage nicht auf dem Rad saß, dass ich auf der falschen Fahrbahnseite fahre. Da ich vor meinem Südamerikaaufenthalt, ein Jahr in Ländern mit Linksverkehr unterwegs war, steckt die Gewohnheit auf der linken Seite zu fahren, immer noch ein wenig drin.
Kalt war es mir dann nicht mehr, als ich nach sieben Kilometern die Ruta 3, die wichtigste Straße auf Feuerland, verließ und in den herbstlich bunten Wald hinein abbog. Und als es dann stetig bergan ging, musste ich mich sogar einiger Klamotten entledigen.
Der auf 300 m Höhe gelegene Aussichtspunkt, den ich kurz darauf erreichte, bot mir ein fantastisches Panorama auf den Lago Fagnano und die umliegenden Berge. Gern wäre ich bis auf den Gipfel des Berges gefahren. Doch der weiterführende, grobe und steile Weg ist nicht für (m)ein Rad gedacht. Außerdem muss ich mir ja auch noch was für die Wanderschuhe aufheben.
Stetig auf und ab führte mich mein weiterer Weg rund um das Bergmassiv durch den bunten Wald, der fast ausschließlich aus der Lenga-Südbuche besteht.
Keinem einzigen Fahrzeug, keiner Menschenseele begegnete ich auf diesem Weg. Diese Stille, die nur selten von ein paar Vögeln unterbrochen wurde, erinnerte mich an meinen Aufenthalten in den Bergen des Pamir und des indischen Himalayas.
Der kleine, mitten im Wald gelegene See mit schneebedeckten Bergkuppen als Hintergrundkulisse, war dann ein weiterer Höhepunkt meiner kleinen Tour. Ein wahrhaft wunderschönes Fleckchen Erde. Doch ausgerechnet in diesem Moment hatten sich ein paar Wolken vor die Sonne geschoben und ließen die Farbfülle des Waldes auf den Fotos nur erahnen. Doch ich konnte ein paar Wolkenlücken für einige gute Bilder erhaschen.
Der Hund, der wenig später an einem verlassen aussehenden Haus bellte, sagte mir, dass hier jemand wohnen muss. Von was leben die Menschen, die so abgelegen wohnen, frage ich mich dann immer.
Es machte sich dann nicht nur eine körperliche Erschöpfung in mir breit, ich freute mich sogar richtig, bald wieder in Tolhuin zu sein. Ich merkte, ich brauche defintiv noch eine Weile, bis ich wieder auf Reisen gehe, als ich nach 6 h und 49 km wieder mein temporäres Zuhause erreichte.

Blick auf den 720m hohen Cerro Jeujepen den ich umrundet habeperfektes Fahrradwetter bei etwa 6°Ces ist HerbstAussicht auf den Lago Fagnano von etwa 300m HöheImmer wieder trifft man im Wald auf kleinere und größere GewässerDer Weg ist ein ständiges Auf und AbIst es zu steil oder bin ich nach zwei Monaten Pause außer-FormIn der Bildmitte befindet sich Tolhuin das sich genau am Rande des Gebirges befindet

Durch den Märchenwald zur Laguna Negra

07. Aprilz 2015 argentinia Argentinien Tolhuin KM: 31108 Tag:766

Der stürmische Wind fegt über den See und sorgt für Wellen fast wie am Meer. Das sonst kristallklare Wasser, ist durch den aufgewühlten Grund bläulich trübe. Ebenso der Himmel. Keine tiefhängenden Wolken verdecken die Sicht auf die, bis zu 1500m hohen Berge.
Die dünne Neuschneedecke der vergangenen Nacht auf den Bergkuppen, kann der Sonne am späten Vormittag nicht mehr standhalten. Auch mir wird es in meiner Daunenjacke zu warm, als ich wenig später durch den windschützenden Wald gehe.
Es ist ein angenehmer Spätsommertag im Februar. Bereits zum dritten Mal wandere ich zur Laguna Negra, die ein kleiner, durch einen natürlichen, flachen Damm abgetrennter Teil des Lago Fagnano ist.
Der Lago Fagnano, der nach dem ersten römisch-katholischen Präfekten dieser Region benannt ist, war vor tausenden Jahren ein Arm der Magellan-Straße. Durch Gletscherablagerungen bildete sich eine Landbrücke und aus dem Meeresarm wurde ein Süßwassersee. Weit im Westen des Sees befindet sich die Grenze zu Chile. Der größte Teil des 104 km langen und bis zu 200 m tiefen Sees gehört aber zu Argentinien.
Das Interessanteste auf dem Weg zur Laguna Negra, ist für mich der tundraartige Wald, der jedesmal aufs Neue faszinierend ist.
Der schmale Pfad führt mich auf 4 km Länge durch einen wahren Märchenwald. Lange Strauchflechten hängen an den knorrigen Bäumen, wie Bärte an, vom Leben gezeichneten alten Männern. Zwischen den Grün tragenden Bäumen stehen einzelne, alte, kahle Stämme, die nur noch darauf warten, vom nächsten kräftigen Windstoß umgestoßen zu werden. Andere klammern sich, bereits halb umgefallen, noch an den gesunden Bäumen, als würden sie mit letzter Kraft versuchen, nicht zu Boden zu gehen. Und die, die bereits am Boden liegen, werden über viele Jahre von den Kleinstlebewesen zersetzt, bis nur noch Staub und Erde zurückbleibt, aus der dann wieder neue Bäume wachsen. Hier darf die Natur noch Natur sein. Kein Mensch greift hier in den Lauf der Dinge ein.

die Inhaber eines Campingplatzes direkt am See haben den Platz künstlerisch gestaltetneben dem Lago Fagnano gibt es noch einige kleinere Seen und Teiche sogenannte LagunenDas Wasser des Sees kann man trinkenIch habe noch nie einen Wald der mit solch langen Strauchflechten uebersät ist gesehenein kleiner Pfad der 4km lang am See entlangführtdie Laguna Negra ist durch einen natürlichen Damm vom See getrenntein kleiner Biberteichein Wald der sich selbst überlassen wirdwie im Märchenwalddie Reste eines Baumstammes Alles wird irgendwann von der Natur zersetztMein zweiter Ausflug zur Laguna Negra mit Sven einem Radler aus DeutschlandHier wird der Wald nicht aufgeräumtdie Biber sind hier zur Plage geworden da sie auf Feuerland keine natürlichen Feinde besitzeneines schönen Morgens im Februar waren die bis zu 1500m hohen Berge leicht mit Neuschnee überzogendie Laguna Negradie Strauchflechten sind ein Zeichen für besonders reine Luftdie Sonne geht bald unter